Parodontitis - Schwund im Mund
Der Feind in der Tasche - zwei Drittel der Bevölkerung leiden an Parodontitis, die häufigste Ursache von Zahnverlust. Angst vor der Zahnbehandlung erschwert die rechtzeitige Behandlung. Wer die ersten Anzeichen der Parodontitis ernst nimmt, bekommt seine Probleme mit dem Zahnfleisch wieder in den Griff.
Ein einziger Zahn kann von Milliarden Bakterien besiedelt sein. Bisher bekämpfen Zahnärzte vor allem Karies und füllten Löcher in den Zähnen. Doch noch tückischer sind die Gewebe zerfressenden Parodontitis-Keime. Sie führen zu Zahnausfall, können aber auch Ursache von Infarkten und Frühgeburten sein.
Zahnfleischbluten und Zahnlockerung
Die meisten Patienten halten die Krankheit, welche die Zähne erst wackeln, dann ausfallen lässt, nach wie vor für einen altersbedingten Verschleiß des Zahnfleischs, die „Parodontose“. Nun zeigt sich: Nicht körperlicher Zerfall ist am Werk, sondern Bakterien. Die ersten Anzeichen sind Mundgeruch, gerötetes Zahnfleisch oder Zahnfleischbluten. Die „Parodontitis“, so der korrekte Name, ist nach der Karies die wohl häufigste Infektionskrankheit der Welt. Fortgeschritten arbeitet sich die Krankheit unterirdisch fort und zerstört den Kieferknochen, zunehmde Zahnlockerung ist die Folge.
Gene und Rauchen
Die Gene bestimmen ebenfalls mit, wer gesund bleibt und wer krank wird. 40 bis 80 Prozent der Anfälligkeit für Parodontitis, das haben Zwillingsstudien ergeben, sind vermutlich im Erbgut festgeschrieben. Rauchen schließlich hat verheerende Folgen. Giftiger Zigarettenqualm, der stetig durch die Mundhöhle streicht, mindert Durchblutung und Abwehrkraft des Zahnfleischs. Die Keime gedeihen prächtig und schieben – schleichend und mitunter über viele Jahre hinweg – das Zahnfleisch zurück.
Leichte Früherkennung - schlimme Spätfolgen
Dabei kann die unheilvolle Entzündung, die jeden dritten Erwachsenen in Deutschland befallen hat, beileibe nicht nur im Mund böse Schäden anrichten. Die Parodontitis ist kein Übel, das sich auf das Zahnfleisch beschränkt- es steht viel mehr auf dem Spiel, als die Zähne zu verlieren. Die Kleinstlebewesen gelangen von der Mundhöhle aus über kleine Wunden in den Blutstrom. Auf diese Weise werden sie in nahezu jeden Winkel des Körpers gespült – und können dort offenbar schwere Beschwerden auslösen: Herzleiden, Schlaganfall, Lungenentzündungen sowie Frühgeburten. Die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) verschlimmert sich. US-amerikanische Wissenschaftler warnen gar
"Floss or Die!"
sinngemäß übersetzt: benutze Zahnseide oder stirb!
Krebs durch Parodontitis?
Eine Parodontitis greift nicht nur Zahnfleisch und Zähne an: Britische Forscher konnten nachweisen, dass die blutige Entzündung auch das Krebsrisiko deutlich erhöht - teilweise sogar um mehr als 30 Prozent.
Krebsrisiko erhöht – auch für Nichtraucher
Für ihre Studie werteten die Forscher Fragebögen von etwa 48.000 Männern im Alter zwischen 40 und 75 Jahren aus, die Angaben über ihre Parodontitis- und Krebserkrankungen gemacht hatten. Im Laufe von 18 Jahren erkrankten 5720 dieser Männer an Krebs. "Wir sehen einen deutlichen Zusammenhang zwischen Parodontitis und einem erhöhten Gesamtkrebsrisiko, auch für diejenigen, die nie geraucht hatten“, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt „The Lancet Oncology“. Dieser Effekt war unabhängig davon, ob die Probanden Raucher waren oder nicht. Völlig überraschend war das Krebsrisiko bei Nichtrauchern sogar mehr angestiegen, wenn durch die Parodontitis auch das Knochengewebe geschädigt war: Die Nichtraucher hatten ein um 21 Prozent erhöhtes Krebsrisiko. In der Gesamtgruppe gab es jedoch nur einen Anstieg von 14 Prozent. Die Erkrankungswahrscheinlichkeit für Nieren- und Bauchspeicheldrüsenkrebs wurde am deutlichsten beeinflusst: Es stieg bei diesen Männern sogar um etwa 50 Prozent zu.
Ob die Zahnbettinfektion nun direkt zur Krebsentstehung beiträgt, oder ob beide Erkrankungen - Parodontitis und Krebs - Folgen eines geschwächten Immunsystems sind, sollen weitere Studien zeigen.
Die Entzündung schwächt das Immunsystem
Bei einer Parodontitis sind Bakterien, die sich in Zahnzwischenräumen und Zahnfleischtaschen ansiedeln, die Übeltäter: Sie scheiden giftige Stoffe und Enzyme aus, die die Wurzelhaut, die Stützfasern des Zahns und den Kieferknochen angreifen. Das menschliche Immunsystem reagiert darauf mit einer Entzündung, die die Bakterien vertreiben soll. Diese gelangen aber mit Entzündungsstoffen ins Blut und lösen weitere Entzündungen im gesamten Körper aus: Das Immunsystem ist allgemein geschwächt, das Risiko für Durchblutungsstörungen des Herzmuskels ist erhöht, Schlaganfälle und Blutgerinnsel an den Beinvenen treten gehäuft auf. Bekannt sind auch mehr Frühgeburten bei Frauen, die an einer einer chronischen Parodontitis leiden.
Es gibt eine Reihe von Zeichen, die eine Parodontitis verraten: Das Zahnfleisch wird rot und ist dick geschwollen, es blutet schon bei kleinsten Berührungen, manchmal schmerzt es an Zähnen und Zahnfleisch. Nach längerer Zeit schrumpft das Zahnfleisch, die Zahnhälse sind empfindlich. Auch ein schlechter Atem oder metallischer Geschmack im Mund kann auf die Zahnbettentzündung hinweisen. Im fortgeschrittenen Stadium haben sich die Zähne gelockert, im Extremfall schrumpft auch der Kieferknochen.
Schützt Zähneputzen vor Krebs?
Die Hintergründe sind noch ungeklärt. Doch Erkrankungen des Zahnfleischs, etwa Parodontose, und Zahnausfall sind mit vermehrtem Auftreten diverser Krebsleiden verknüpft. Um eine etwaige Korrelation zwischen Zahnfleisch-Erkrankungen und dem Auftreten von Karzinomen aufzuklären, wertete ein Team um Dr. Dominique Michaud vom Londoner Imperial College die Daten einer prospektiven Studie aus, die im Jahr 1986 startete. Mehr als 48.000 in Gesundheitsberufen aktive Männer im Alter von 40 bis 75 Jahren gaben zu diesem Zeitpunkt Auskunft über ihre Zahngesundheit. Ferner machten sie Angaben zu etwaigem Knochenschwund, Zahl der vorhandenen beziehungsweise ausgefallenen Zähne, Rauch- und Ernährungsgewohnheiten sowie Krebserkrankungen. Follow-up-Fragebögen wurden in zweijährigem Rhythmus versandt, alle vier Jahre wurden Daten zur Ernährung erhoben. Während der durchschnittlich 17,7-jährigen Nachbeobachtungsphase traten 5.720 neue Krebserkrankungen auf, wobei nicht-aggressiver Prostatakrebs und Hautkrebsfälle mit Ausnahme von Melanomen nicht berücksichtigt wurden. Am häufigsten waren Dickdarm- (18 %), Lungen- (12 %), Blasen- (9,5 %) und fortgeschrittener Prostatakrebs (9,5 %) sowie Melanom (12 %) zu registrieren. Unter statistischer Berücksichtigung der bekannten Risikofaktoren - inklusive Rauchen und Ernährung - war das Krebsrisiko der Teilnehmer mit Erkrankungen des Zahnfleisches um 14 Prozent erhöht. Insbesondere
- Lungenkrebs (36 %)
- Nierenkresbs (49 %)
- Pankreaskrebs (54 %)
- hämatologische Krebserkrankungen (30 %)
traten bei Teilnehmern mit Parodontitis und anderen Zahnfleisch-Erkrankungen häufiger auf. Männer mit starkem Zahnausfall (weniger als 17 eigene Zähne) erkrankten 1,7mal so oft an Lungenkrebs wie Teilnehmer mit mindestens 25 Zähnen. Ob Erkrankungen des Zahnfleisches Ausdruck eines schwachen Immunsystems sind oder als eigenständiger Risikofaktor zu bewerten sind, bleibt vorerst offen.
Quellen:
- Lancet Oncology 9 (2008) 550-558
- J Am Dent Assoc. 2008 Jul;139(7):892
- Cancer Causes Control. 2008 May 14
Termin zur Spezial-Sprechstunde hier!
Buchen Sie Ihren Wunschtermin bei uns ohne Telefonwarteschleifen und Besetztzeichen!
Mit unserem Samedi-Terminbuchungssystem können Sie sich unabhängig von unseren Praxisöffnungszeiten, Feiertagen oder Wochenenden einen verbindlichen Term in unserer Zahnarzt-/Arztpraxis in Berlin-Tiergarten, Turmstr. 33 sichern. Sofern Sie eine Handynummer angeben, werden Sie vor dem Termin per SMS erinnert. Auch über Terminverschiebungen und Terminverzögerungen werden Sie von uns per SMS umgehend informiert.
Über unsere automatische Terminbestätigung per Email bekommen Sie unsere Praxis-Unterlagen vorab in Ihr Samedi-Postfach. Zu Hause können Sie diese Unterlagen in aller Ruhe lesen und ausfüllen.
Mittels der Samedi-Nachrichten können Sie einfach und vor allem sicher per Mail mit uns kommunizieren.
Zur Anmeldung sind nur drei Schritte notwendig:
- Terminart zur Spezialsprechstunde wählen
- Datum und Uhrzeit bestimmen
- Registrierung bei Samedi
Der Datentransfer von Ihrem Computer zum Samedi-Server ist - wie beim Online-Banking - verschlüsselt, Ihre Daten werden auch verschlüsselt gespeichert.





